Eine kleine Nachtmusik
Spielstätte mit Wohnzimmer-Atmosphäre: Landestheater Coburg. Foto: buehnenportal.de
So etwas hat Coburg noch nicht gesehen, zumindest nicht nach unserer Erinnerung: ein um die Mitternachtsstunde voll besetztes Landestheater – und so viele glückliche Gesichter. Donnerstagnacht war das so. Und all die, die gekommen waren, huldigten vor allem ihr, der Musik. Denn um die ging es, unbedingt. Xavier Naidoo “and friends” im Konzert. Nicht spontan, sondern ganz offiziell. Eine Gitarre, ein Flügel, dieses wunderbare ägyptische bulgarische Streichinstrument (dessen Name sich schon wieder verflüchtigt hat das Ding heißt Gadulka – vielen Dank an Rico Böhme von Radio Eins für den Hinweis), dazu ein Mann, seine Stimme, ein Mikro. Mehr brauchte es nicht.
Und endlich hatte alles einen Sinn. Die Hysterie der vergangenen Tage. Das Wundern über Spontanauftritte an seltsamen Orten. Das komische Fieber, das diese Stadt erfasst hat. Xavier Naidoo, der Sänger, der Künstler aus Mannheim, er gab den Coburgern an diesem Abend eine Lehrstunde. Selbst hartgesottene Kritiker nahm er mit auf seine Reise. Eine kleine Nachtmusik für Coburg. Ohne Übertreibungen. Dafür viel Wärme, viel echtes Spiel, Improvisation, Freude. Es gab lyrische Momente, Momente der Beinahe-Ekstase, dann wieder Lachen. Nie Langeweile.
Befreit aus dem Korsett “normaler” Bühnenarbeit eines Musikers auf Tour spielte Naidoo auf seine Art “MTV unplugged”, ganz nahe am Publikum, so nahe sogar, das Naidoos “neuer Freund” (OB Norbert Kastner) gar ins Zwiegespräch einzusteigen wagte. Es blieb bei knappen Dialogen.
Naidoo im Sessel mit dem Mikro, ganz lässig, dennoch konzentriert bei der Arbeit, charmant, Coburg erobernd. Dazu echte Musik, schnörkellos, freies Spiel zuweilen. Dazu die großen Nummern aus dem Repertoire, manche in ganz ungewöhnlichem Kleid. So sah das Geschenk aus, das Naidoo und seine Mitstreiter Coburg machten. Dafür haben die, die da waren, gerne gefroren als an jenem Freitagmittag eine Woche zuvor die Karten auf einem nasskalten Schlossplatz verkauft wurden.
Und am Ende muss man dem Mannheimer auch dafür dankbar sein: Dass keine Fotoapparate und Handys erlaubt waren. Endlich mal wieder ein Konzert, bei dem nicht seelenlos Arme in die Luft gestreckt wurden, um mizuschneiden, was so ohnehin nicht einzufangen ist.
Nächsten Donnerstag (4. Dezember) findet das nächste Konzert dieser Art im Landestheater statt. Es könnte sich lohnen.
Veröffentlicht: 28. November 2008 von Falk in Stadtgeschehen.
Kommentare: 30
Kommentare
Kommentar von ZurueckNachGrub
am: 28. November 2008, 18:16
*gähn*
Kommentar von lustig
am: 28. November 2008, 19:07
Bei allem Respekt vor dem Künstler und seinen außergewöhnlichen und sicher nicht alltäglichen Aktionen finde ich die nicht abbrechende Berichterstattung ziemlich eintönig und ermüdend.
Kommentar von flo
am: 28. November 2008, 19:24
falk ist halt ein musikliebhaber ;). da müssen wir jetzt durch.
Kommentar von Frosch
am: 28. November 2008, 20:59
Habe gerade den Artikel in der NP vom gestrigen Konzert gelesen. Haut mich vom Hocker. Es war kein Benefizkonzert?
Kommentar von Simone73
am: 28. November 2008, 22:15
Habs auch eben gelesen… Tja, mir fehlen die worte.
Und ich dachte es würde einer Einrichtung für jugendliche in Mannheim zugute kommen, dabei finanziert der jetzt seine Strassentour damit. Unglaublich gute Masche Herr Naidoo, muss ich schon sagen…
Kommentar von Sven
am: 28. November 2008, 22:17
Is in Coburg mal was los und wird zum “Dauerzustand” geht des Gemecker los, weil’s um’s selben Thema geht… is nix los und es kommen belanglose Berichte, geht des Gemecker genauso los. Wem soll man’s denn eigentlich recht machen?
Wenn’s stört könnte man für Vesteblick ja selbst Berichte schreiben mit passendem Foto. Und wenn sie gut genug sind werden sie vielleicht veröffentlicht. Dann braucht man sich auch nicht mehr beschweren. :-)
Kommentar von Frosch
am: 28. November 2008, 22:29
Leider wurde ich hier oft angegangen wenn ich die Aktion XN hinterfragt habe. Mein Gefühl gibt mir Recht! Viele Fans wurden getäuscht! Wer brachte in Umlauf das die Einnahmen einem Jugendprojekt in Mannheim zukommen?
Im Radio habe ich es auf jeden Fall gehört, und wenn ich mich richtig erinnere zu Beginn des Kartenvorverkaufs.
Kommentar von Tommi
am: 28. November 2008, 22:43
Na na, wer wird denn hier den “Missionar von Gottes Gnaden” der Lüge bezichtigen? ;)
Kommentar von Simone73
am: 28. November 2008, 22:50
@Frosch: ja das stand auch in irgendeinem Artikel.
@Tommi: Vllt. hat ers selber ja nie gesagt und die Medien habens erfunden?
Also auf jedenfall sollte es echt so sein das er das Geld in seine eigene Tasche steckt bin ich schon enttäuscht von ihm. Andererseits gehts mich auch nichts an, ist ja seine eigene Sache.
Kommentar von Frosch
am: 28. November 2008, 23:08
@Simone73, du hättest auch viel für eine Karte gegeben, aber da du jetzt die wahren Gründe kennst bist du enttäuscht. Hoffentlich lesen viele mit und sagen es auch weiter, denn dann wird das nächste Konzert wohl nicht so gut besucht werden. Tolle Kampagne, darauf muß man erstmal kommen. Aber vielleicht lieg`ich ja falsch und alles ist ganz anders? XN hat seine Fans voll im Griff und das gibt mir zu Bedenken, es macht mir sogar Angst. Er drohte nicht mehr zu singen wenn jemand fotografiert(NP Artikel).
Kommentar von Ostfriese
am: 29. November 2008, 00:45
Also das XN die Kohle in die eigene Tasche steckt überrascht mich nicht wirklich. Das ganze Musik Business hat doch nur noch den Zweck Künstlern, Mananagern und Plattenfirmen die Rosette zu vergolden. Der Spaß an der Musik kommt erst an zweiter Stelle. Aber auch das überrascht mich nicht, denn niemand kann heute von Luft und Liebe leben.
Kommentar von djrene
am: 29. November 2008, 21:12
Ich hatte es ja sofort geschrieben, als ich die Eintrittspreise hörte, daß das jetzt in einer Abzocke endet.
Gut dazu passt eine Aussage von Claus Eisenmann von 2006: “Außer ihm habe sich keiner in der Band getraut, Naidoo die Meinung zu sagen. Der habe die Söhne Mannheims wie ein Diktator geführt und zusammen mit Produzent Herberger den Großteil der Einnahmen kassiert, während die restlichen zwölf Musiker mit einem Hungerlohn abgespeist worden seien”
Kommentar von SO
am: 29. November 2008, 21:24
@djrene
In knapp 2 Wochen vom kritischen Fan zum fanatischen Kritiker. Respekt.
Kommentar von Falk
am: 29. November 2008, 21:53
@Sven: Danke!
Kommentar von H.Gr.
am: 29. November 2008, 22:07
@SO + djrene: Ich bin absoluter Nullpeiler bzgl. Musikgeschäft, aber das hatte mir schon gedämmert (s. “Die Schnitzeljagd geht weiter”)
Kommentar von Oigi
am: 29. November 2008, 22:56
Auf welchen Fakten gründet sich eigentlich die Behauptung, der XN habe den Auftritt im Landestheater nicht als Benefizveranstaltung durchgeführt? Hat man diese Info von ihm persönlich?
Kommentar von Sven
am: 29. November 2008, 23:14
Genau. Wenn (wie jemand schrieb) Radio 1 sagte: “Das wird ein Benefizkonzert werden.” Dann verläßt man sich ja darauf. Ich mein ich hätte mir für 55€ keine Karten gekauft und ansonsten eher für meine Freundin, aber diese ganzen Gerüchte nerven. Vertrauenswürdige Quellen und diesbezügliche Fakten würden Klarheit bringen anstatt dieses Hörensagen.
Kommentar von Simone73
am: 29. November 2008, 23:36
@ Sven: Hier mal ein Ausschnitt aus dem Artikel aus der np-coburg:
“Kastner wohnt dem Event natürlich bei und beteuert aus der Herzogsloge lautstark, nicht das Gerücht gestreut zu haben, dies wäre ein Benefizkonzert: „Das hat der Norbert nicht gesagt!“. Die Neue Presse übrigens auch nicht.
Kein karitativer Akt also, eher ein „Geschäftsmodell“, mit dem er die Gratisgigs seiner „intuitiven Tournee“ finanziert, erklärt Naidoo seinem Publikum. Doch damit genug der profanen Themen – ein Abend mit Xavier Naidoo ist schließlich zuallererst ein spirituelles Ereignis.”
Quelle:http://www.np-coburg.de/nachrichten/kultur/npfeuilleton/art2405,887122
Kommentar von Sven
am: 30. November 2008, 00:18
Auch wenn ich ned wirklich was von der Neuen Presse halte, danke für den Artikel Simone.
Kommentar von H.Gr.
am: 30. November 2008, 00:23
Der Kastner in der Herzogsloge. Und spricht lautstark von sich selbst in der 3.Person…
Aber immerhin (noch) nicht in der 1.Plural, wie weiland der Kaiser ;-)
Kommentar von Bergfest
am: 30. November 2008, 10:47
Von dem Projekt in Mannheim habe ich bisher nur hier im Vesteblick gelesen. Wie auch immer, wenn einer was Heiliges singt, muss er nicht heilig sein. Wer die Musik mag, wäre sicher auch ohne die vorherigen Spontanauftritte zu dem Konzert am Donnerstag gegangen, insofern verstehe ich die Aufregung nicht. Und damit ist das Kapitel XN und Coburg für mich erledigt.
@ H.Gr.: :-)))
Kommentar von djrene
am: 30. November 2008, 19:06
Ich war übrigens noch nie ein Fan von XN und bin jetzt auch kein fanatischer Kritiker. Ich mag die Musik und das Missionieren von ihm nicht, mochte ich nie und werde ich nie mögen. Aber die Aktion mit dem Kleinlaster fand ich am Anfang witzig und gut. Jetzt ist’s halt Kommerz geworden.
Kommentar von H.Gr.
am: 30. November 2008, 20:00
Weiß jemand, welchen Stellenwert er inzwischen in Mannheim hat?
Kommentar von Frosch
am: 30. November 2008, 20:46
Wie die NP gerade schreibt war XN am Samstag in Neustadt in einer Grillstation. Beobachtet mal ob er bei seinen nächsten Auftritten noch seinen Hund dabei hat ;-))
Kommentar von SO
am: 30. November 2008, 21:11
@Frosch
Wahrscheinlich gabs mal wieder Spanwelpe mit Kraut.
Der arme arme XN.
Kommentar von Frosch
am: 30. November 2008, 21:32
Wieso wieder? Gibt es sowas am Ende auch in der Künstlerlklause?
Kommentar von SO
am: 30. November 2008, 22:22
@Frosch
Früher wurde von Neustadtern durchaus glaubhaft versichert, dass sie zwar Hunde schlachteten, diese jedoch zum Verzehr nach Coburg exportiert würden.
Kommentar von Bergfest
am: 1. Dezember 2008, 10:40
Komme auch nicht los von XN. Im Tageblatt stand am Samstag, dass er während seiner Spontanauftritte einen Hut (nicht Hund) rumgehen lässt; diese Einnahmen wären für das Projekt in Mannheim bestimmt und daraus wird das Gerücht wohl entstanden sein.
Kommentar von Mimose
am: 1. Dezember 2008, 12:49
Find ich ja voll witzig, das Ganze. Ich plädier für seinen Hund mit Hut im Maul, der als Klingelbeutel auf vier Beinen rumgeht.
Was glaubt ihr, wie die Einnahmen fließen. Was für ein Projekt in Mannem ist das?
Kommentar von Bergfest
am: 1. Dezember 2008, 14:48
@ Mimose: Schlag das mal dem XN vor; am besten drei Dobermänner nehmen mit scharzen Zylindern. :-)
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