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Kritik an “Stolperstein”-Aktion

stolperstein1Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, verurteilt die Aktion >>> “Stolpersteine” des Künstlers Gunter Demnig, schreibt die >>> Neue Presse in ihrer Dienstagsausgabe. Das Andenken ermordeter Menschen werde mit Füßen getreten, sagt Knobloch. 30 “Stolpersteine” sind bislang >>> in Coburg installiert. Oberbürgermeister Kastner empfindet die Kritik denn auch “kurzsichtig”. Was sagen die Vesteblicker?

Kommentare

Kommentar von Mr.Weese
am: 25. August 2009, 08:40

Demnächst werden dann endlich die Kanaldeckel mit dem Mauritius-Kopf ausgewechselt: Schließlich treten die Fußgänger in Coburg regelmäßig – absichtlich oder nicht – einem Mitmenschen afrikanischer Herkunft ins Gesicht (die etwas drastischere Formulierung, die ich schon manchmal absichtlich provokant verwendet habe, spare ich mir hier). Kulturelles Erbe bzw. vergangene Populärkultur und heutige politische Korrektheit widersprechen sich leider manchmal, auch in sprachlicher Hinsicht – oder traut sich noch jemand “Negerkuss” und “Kruzitürken” zu sagen?

Kommentar von wie_weit
am: 25. August 2009, 09:24

Ich habe meiner Meinung auch schon bei der NP Ausdruck verliehen.
Ich bin sehr verärgert über diese Querschüssen von Frau Knobloch.
Die Aktion Stolpersteine hat mich so sehr überzeugt, dass ich selber einen finanziert haben, eben weil sie das Gedenken an Verfolgte in den Alltag trägt. Dorthin wo die Verfolgung letztendlich auch statt fand!
Frau Knobloch soll mal in ein mittelalterliche Kathedrale gehen. Oft genug liegen dort Gräber mit Grabsteinen im Kreuzgang über die man einfach so drüber läuft. Das hat nichts mit Missachtung zu tun sondern mit der Alltäglichkeit.

Kommentar von mattk
am: 25. August 2009, 11:36

Was habe ich da gelesen – Mahnungen sollte es in Augenhöhe geben? Wo denn bitte ist in unserer Gesellschaft die Augenhöhe (und dann noch die gleiche)? Ich habe jedenfalls Respekt vor Demings Aktion: wir Spätgeborenen müssen uns vor den Opfern (warum auch immer sie von den Nazis verfolgt und umgebracht wurden) verbeugen, wenn wir durch die Stolpersteine an die Namen erinnert werden.
Heike vergleicht Stolpersteine mit der Kurt-Eisner-Gedenkplatte in München. Diese Platte kenne ich wohl auch und auch die Diskussion, von wegen jeder Hund könne darauf pinkeln. Warum aber hat dann Heike’s staatstragende Partei nicht längst für ein monumentales Denkmal gesorgt, das in München anderen Denkmälern in nichts nachstehen würde? Nun, dann würde ja vielleicht auch mehr bewusst werden, dass es nicht dieselbe Partei bzw. eine Vorläuferorganisation derselben war oder sogar Franz Josef, der Ewige, höchstselbst, der den Freistaat Bayern ausgerufen hat.

Kommentar von SO
am: 25. August 2009, 22:26

Die Stolpersteine SOllen nicht an Frau Dr. Knobloch und einige Coburger Stadträte der CSU, die plötzlich auch anderer Meinung gewesen wären, wenn man sie nur gefragt hätte, erinnern, SOndern ganz persönlich und vor Ort an vergleichsweise wenige der millionen gedemütigten, gefolterten und ermordeten Juden, Sinti und Roma und andere von einem perversen Regime Verfolgte.
Frau Dr. Knobloch hat, wenn ich das richtig verstanden habe, ihre persönliche Meinung geäußert. Nicht mehr.
SO what?

Kommentar von Oigi
am: 26. August 2009, 01:22

Frau Knobloch befindet sich in einem kulturhistorischen Irrtum. In Domen und Kirchen werden seit Jahrhunderten die Grabplatten von Stiftern durch die Füße der Kirchgänger blank gewetzt, in München gehen täglich Abertausende über die im Boden eingelassene eindrucksvolle Gedenktafel an den ermordeten Kurt Eisner, den ersten bayerischen Ministerpräsidenten und Gründer des Freistaates Bayern, in den USA sind die Sterne mit den Namen von über 2000 Prominenten aus Kunst und Wissenschaft in den Gehsteig des “Walk of Fame” eingelassen und in Coburg erinnern goldglänzende Pflastersteine an die unbegreiflichen Mordtaten der Nazis. Das ehrende Gedenken in dieser Form hat also eine internationale Tradition. Frau Knoblochs persönliche Meinung soll ihr unbenommen bleiben. Allerdings wirkt sie beleidigend für alle Stolperstein-Paten, die sich international über zwanzigtausendfach gegen Rassismus und Diktatur engagieren.

Kommentar von Ostfriese
am: 27. August 2009, 00:08

Das Problem ist, das Frau Knobloch in ihrer derzeitigen Position keine persönliche Meinung hat, da alles was sie öffentlich von sich gibt, automatisch ihrer Position als Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland zugeschrieben wird. Ob ihr das passt oder nicht.

Abgesehen davon finde ich persönlich,das der Zentralrat allmählich damit aufhören sollte, die Juden in Deutschland ausschließlich über ihre tragische Rolle während der Nazi-Zeit zu definieren. Und dieses Totschlagargument bei jeder erdenklichen Möglichkeit offentlichkeitswirksam anzubringen.

Das jüdische Volk ist auch kein Unschuldsengel. Immerhin wurde der Staat Israel durch Terror, Vertreibung und Missachtung des Völkerrechts geschaffen und wird bis heute letztendlich nur durch Gewalt gegen die Palästinenser am Leben erhalten.

Kommentar von SO
am: 27. August 2009, 08:54

@Ostfriese
Der Staat Israel und der Holocaust SOllten niemals zueinander in Relation gesetzt und schon gar nicht in irgendeiner Form gegeneinander “aufgerechnet” werden.
WIR DEUTSCHE haben eine nie wieder gut zu machende Schuld auf uns geladen, zu der wir dauerhaft(!) stehen müssen. Nicht in Sack und Asche, SOndern in tief verwurzelter Einsicht und mit dem unbeugsamen Willen, jede Verharmlosung, Rechtfertigung oder auch nur denkbare Wiederholung dieses historischen Dramas im Keim zu ersticken.
Das ist unsere Aufgabe. Sie verbietet jeden(!) Vergleich, egal ob ausgesprochen oder asSOziiert.

Kommentar von tim
am: 27. August 2009, 12:21

das würde ich aber genauso sehen, einfach mit dem Finger auf andere zeigen um SO von der eigenen Vergangenheit abzulenken ist ein wenig sehr einfach.
Im übrigen wurden ja nicht “nur” Juden von den Nazis bestialisch ermordet, wie sollte man da dann argumentieren ????
…Ihr seit auch nicht besser als…zieht da ohnehin nicht.

Kommentar von maniac
am: 27. August 2009, 20:18

@SO,

Einspruch!

Weder DU, noch ich , noch Ostfreise, noch Tim haben diesbezüglich jemals SCHULD auf sich geladen!!

Wir sind uns sicher einig, dass diese “Vorkommnisse” niemals wieder geschehen dürfen, aber eine “dauerhafte” , “nie wieder gut zu machende Schuld” verspüre ich nicht!”
DU kannst dir diesen Schuh gerne anziehen, wenn DU meinst, Wiedergutmachung leisten zu müssen, aber mit: “WIR DEUTSCHEN” fühle ICH mich hier nicht angesprochen!

Kommentar von SO
am: 27. August 2009, 22:39

@maniac
Es geht nicht darum, wie Du Dich fühlst. Ich fühle(!) mich auch nicht schuldig, aber ebenSO, wie mich vieles in unserem Land erfreut und mit Stolz erfüllt, beschämt mich anderes zutiefst. Unsere Vergangenheit auch vor unserer Zeit (Bach, Goethe, Hitler, Einstein, Himmler, Kant, der alte Fritz und wie sie nicht alle hießen) ist kein Kuchen, aus dem wir uns nach Belieben die Rosinen picken können. Sie ist die Wurzel unserer Identität (ob wir wollen oder nicht).
Schuld muss man nicht “zwangsweise” spüren, aber erkennen SOllte man sie.

Kommentar von Mimose
am: 27. August 2009, 22:59

@ manaiac:
Ich geb dir Recht. Ich habe keine Schuld, und meine Eltern auch nicht. Insofern kann die Schuld nicht dauerhaft sein. Wiedergutmachung müssen wir auch nicht mehr leisten, wie könnten wir das?
Wir müssen uns daran erinnern und eine Wiederholung unmöglich machen. Aber wir dürfen vergleichen, wenn wir damit nicht relativieren.
Zum Gründungsmythos taugt der Holocaust jedenfalls nicht, das ist schon in der DDR schiefgegangen.

Kommentar von SO
am: 27. August 2009, 23:15

@maniac again
Ich habe nichts von Wiedergutmachung geschrieben. Da ist nichts wieder gut zu machen.
Und wenn DU Dich mit WIR DEUTSCHEN hier (ich zitiere Dich) nicht angesprochen fühlst, müsstest Du das mit gleicher Deutlichkeit überall dort auch tun, wo Du SOnst nicht persönlich beteiligt warst.

Kommentar von flo
am: 28. August 2009, 02:01

ich finde die aktion gut und die kritik von frau knobloch… albern ;).

Kommentar von tim
am: 28. August 2009, 06:56

Also Schuld verspüre ich auch nicht, darum geht es doch aber auch gar nicht, oder ?
Es geht doch darum, dass man die Vergangenheit nicht so einfach ablegen kann.
Das mit den Rosinen von SO ist ein guter vergleich, wer hat denn Deutschland nach dem krieg wieder aufgebaut (natürlich mit Hilfe von anderen), das waren doch auch menschen die sich vorher schuldig gemacht haben und sei es “nur” durch weg sehen. Mit denen identifiziert man sich doch gerne oder ? Arbeitssam, zuverlässig, pünktlich und korrekt, davon spricht man heute noch auch wenn es auf manche heutigen Zeitgenossen wirklich nicht zu trifft, alles andere möchte man aber ganz schnell vergessen…..

Kommentar von mattk
am: 28. August 2009, 07:56

Die Dummen sterben nicht aus :( http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/baden-bis-die-aerzte-kommen Oder vielleicht besser: die “Dumm-Dreisten”.

Kommentar von tim
am: 28. August 2009, 09:00

@mattk
…wir unterbinden alles, was ein schlechtes Licht auf uns werfen könnte… , na das scheint aber dann in die Hose gegangen zu sein.
Mir scheint als würde der Pächter ein gewisses Machtgefühl ausleben wollen.

Kommentar von Knobloch Gehtmiraufdensack
am: 7. September 2009, 12:46

..ich bin sehr angenehm überrascht über die (meisten) Meinungen hier.
Man sollte die Vergangenheit ruhen lassen. Das deutsche Volk hat genug getan und tut immer noch zu viel für die Juden. Es wurden Milliarden gezahlt.
Unsere Generation ist nicht mehr dafür zuständig. Genug ist genug.
Die Juden sollten lieber schauen, dass sie keine unschuldigen Menschen “in ihrem Land” töten! In dem Land, indem sie sich vor 60 Jahren eingenistet haben…man sollte erst vor der eigenen Tür kehren, bevor man andere verurteilt, “gute” Fr. Knobloch. Ihre Querschüsse und andauernde Kritik an JEDER Kleinigkeit lassen mich an Ihrer Intelligenz und sozialer Kompetenz zweifeln.
Wenn Sie die Welt nicht ertragen, dann schließen Sie sich doch ein und schmeißen den Schlüssel weg.

Kommentar von SO
am: 8. September 2009, 22:31

@ Gehtmiraufdensack
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auch nur ein Blogger aus dem Vesteblick durch Ihren Kommentar angesprochen, geschweige denn bestätigt fühlt.

Kommentar von Knobloch Gehtmiraufdensack
am: 9. September 2009, 20:15

..JOP! Es wird immer Menschen geben, die die Wahrheit einfach nicht vertragen :)

Beste Grüße und weiterschlafen…

Kommentar von SO
am: 12. September 2009, 21:31

@Gehtmir……….
Es wird immer Menschen geben, die ihre Wahrnehmung für wahr nehmen.

Kommentar von kutsche
am: 13. September 2009, 22:20

beabsichtigter dieses kunstprojekts. das “oha, ich bin auf ein opfer der shoa getreten” ist doch in seiner politischen uncorrectness bitteschön der aha-effekt, jenes element, das die stolpersteine aus der ära der gutmenschen-gedenkrituale hinauskatapultiert. jedem passiert es, wenn er nicht höllisch aufpasst. und durch die farbe der steine merkt er es – zu spät: seinen übertritt ins …. beim schlendern in der gruppe über kopfsteinpflaster besteht übrigens wenig alternative zum draufsteigen wegen des dadurch erzwundenen laustils des mitlaufens in der gruppe. worauf achte ich beim duch-die-welt-gehen für mich? wie ändert sich das als mitläufer? u.a. so werden pflastersteine zu stolersteinen über sich selbst. ein geniales projekt, seit jahren! endlich auch in unserer schnachstadt.

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